Erstbegegnung mit dem BOSS ME-25

      Erstbegegnung mit dem BOSS ME-25

      Seit dem Erscheinen des BOSS-Multis ME-70 überlege ich mir, dieses Ding anzuschaffen - bei einem Gitarristen, den ich kenne, kommen da einfach super Sounds raus. Allerdings wollte ich damit hauptsächlich zuhause über einen Studiomonitor spielen, und dafür war es mir zu groß und auch zu teuer - die ganzen Echtzeitbeeinflussungsmöglichkeiten brauche ich nicht. Seit kurzem nun gibt es das ME-25, und beim ersten Anlesen der Beschreibung sah das nach etwas Brauchbarem für mich aus - die Soundmöglichkeiten des ME-70 im kleineren Gehäuse. Angetestet im Musikgeschäft meines Vertrauens und incl. original BOSS-Netzteil mitgenommen.

      Das Teil bietet die Simulationen verschiedener Pedaleffekte - (Compressor, Touch-Wah, Akustiksimulator), zehn Booster/Verzerrer/Distortionpedale, zehn verschiedene Gitarrenamps (Roland JC, Twin, Vox, mehrere Marshalls verschiedener Dekaden, 5150, Rectifier und noch ein paar mehr), zehn verschiedene Modulationseffekte (Chorus, Flanger, Phaser, Octaver, Harmonizer, UniVibe und noch einige mehr), zwei Reverbs, verschiedene Delays. Auch ein einstellbares NoiseGate ist mit an Bord, dessen Bedienung sich leider gut vor dem Anwender verborgen hat. Jeder Effekt ist in einigen wenigen Parametern steuerbar - nicht luxuriös, aber zumeist ausreichend.

      Das einzige, was ich wirklich vermisse, ist ein richtiger EQ bei den zehn wählbaren Amps. Mit dem Tone-Regler kommt man zwar im grossen und ganzen hin (also zu gut klingenden Ergebnissen), aber toll ist das nicht wirklich.

      Das Gehäuse hat je einen Treter für Memory Up und Memory Down (gleichzeitiger Tritt auf beide aktiviert den eingebauten Tuner incl. Stummschaltung der Ausgänge), dazu noch einen mit SOLO betitelten Schalter - gibt nochmal etwas Gas fürs Solo bzw. steuert bei zweisekündigem Drücken den 38-Sekunden-Looper (den ich allerdings noch nicht angetestet habe). Rechts ist ein Pedal, welches bei den meisten programmierten Sounds für die Lautstärke zuständig ist. Er kann aber auch einen Wah-Wah-Effekt steuern. Dazu hat das Gerät sechs Taster, um jede der sechs Gerätekategorien (Pedaleffekt, Amps, Verzerrer, Modulation, Reverb, Delay) anzuwählen, innerhalb derer dann mit einem zehnstufigen Drehschalter z.B. einer der zehn Amps oder Modulationseffekte ausgewählt werden kann. Dann noch drei Drehpotis, mit denen diese Effekte in den wichtigsten Parametern beeinflusst werden können.

      Oben ist ein (bei Aktivierung) blau beleuchteter Taster namens Super Stack - damit wird das Signal mächtig aufgepustet. Viel zu mächtig meiner Meinung nach. Oder besser: VIEL zu mächtig! Was bei einem mager klingenden Verstärkerchen noch eine nette Anfettung ergeben mag, kommt über Studiomonitore oder einen größeren Amp viel zu drastisch. Das wäre in dezenterer Abstimmung besser. Am besten regelbar, wenn wir schon beim Wünschen sind.

      Links oben befindet sich das Display, welches meistens den gewählten Speicherplatz anzeigt (60 an der Zahl), darunter zwei Taster für Exit und Write - bei gemeinsamer Betätigung geht es in den Edit-Mode.

      Weiter gibt es einen Eingang, dessen Belegung das Gerät zum Leben erweckt, zwei Ausgangsbuchsen, um stereo in Amps oder die PA zu gehen (klingt beides sehr gut), wobei man das auch mono machen kann, einen Kopfhörerausgang und eine USB-Buchse. Software für Recording und Editieren wird mitgeliefert, habe ich aber noch nicht ausprobiert. Das Handbuch umfasst rund zehn Sprachen und ist mit ca. 20 Seiten pro Sprache angenehm kurz.

      Batteriebetrieb ist möglich, die benötigten sechs AA-Zellen werden mitgeliefert, so dass man selbst ohne Netzteil gleich loslegen kann. Aber auf Dauer rentiert sich der Kauf schon, und das Originalteil von BOSS kostet keine 20,- EUR.

      Einen Line-In gibt es noch, und das war es dann im großen und ganzen. Auch über USB kann man Backingtracks in das Gerätchen einspeisen, die dann von den nachfolgenden Geräten widergegeben wird. Beide Soundeingänge (Line-In und USB) sind nicht regelbar, so dass man das in den Abspielgeräten erledigen muss.

      EDIT erinnert mich gerade, dass man während des Spielens, also ohne erst in den Edit-Mode des Gerätes wechseln zu müssen, mit den oben erwähnten sechs Tastern aus den sechs Soundmodes (Clean, Crunch, Drive, Heavy, Lead, Extreme) einen auswählen und in zehn Varianten anhören kann. Das nennt sich wohl easy edit. Vielleicht auch nicht, denn auch der eigentliche Edit-Mode ist sowas von easy ...

      Weiter erwähnenswert ist die Kurzbeschreibung unten auf dem Gerät, wo für jede Auswahlmöglichkeit (z.B. die Amp-Modelings) die zehn Varianten aufgelistet sind - das macht die Einstellarbeiten sehr schnell und zielführend ... Ende EDIT

      Mein (sehr subjektives) Fazit: Ich spiele jetzt seit ein paar Tagen auf dem BOSS ME-25 herum, und es macht Spass, klingt gut, die Bedienung (bis auf das Editieren des NoiseGates) ist recht einfach. Man kann inspirierende Sounds auswählen und ohne großes Rumschrauben an den eigenen Geschmack anpassen, und so macht mir das Spielen Spass. Die erreichbaren Sounds rangieren von klassischen Standardsounds in überzeugender Qualität bis hin zu recht abgefahrenen Sachen - Octaver und Harmonizer machens möglich. Besonderen Spass macht mir beim ME-25 der Phaser - keine Ahnung, wieso, ich mag ihn einfach. Mein Favourite Sound ist eine Kombi aus clean eingstelltem Twin mit leicht gezügelten Höhen, dazu ein Overdrivepedal ("Classic", was einem TS entsprechen könnte, oder "Modern", was eher einer "ProCo Rat" entspricht), dazu etwas Hall und ein Delay - feddich ist der coole Rocksound!

      Ich würde ohne Zögern mit dem BOSS ME-25 auf eine Bühne gehen, so gut sind die Sounds. Echte Röhrenamps und Boutique-Effekte klingen natürlich noch ein wenig besser, kosten incl. der Effektbatterien aber auch mindestens das 20-fache.

      Viele Grüße
      Jo
      Mix4Munich
      Johannes Komarek
      mix4munich.de/portal.htm
      PS: Hier noch ein Nachtrag zum Thema "Wer Qualität kauft, zahlt nur einmal":

      Ich habe mir vor einiger Zeit einen Sender gekauft - Sennheiser ew172 G3, u.a. weil er ein sehr vertrauenerweckendes Gehäuse hat. Und nun das BOSS ME-25, ebenfalls im vertrauenerweckenden Metallgehäuse. Gestern Abend nun ist es passiert: Mir ist der Sender aus rund 1,20 Metern Höhe mit Schmackes auf die linke untere Ecke des ME-25 gefallen.

      Das Resultat: Nix. Keine Probleme. Keine Dellen. Nur winzige Kratzer im Lack des ME-25 und an einer Ecke des Sennheiser Senders. Sonst nix.

      Hätte ich am Sender gespart (Line6 Plastikteile), wäre das Sendergehäuse hin. Hätte ich am BOSS gespart (Zoom Plastikteile z.B.), wäre nun dieses Gerät hin. Aber hier: Nix. Nada. Njente.

      Wollte ich nur mal loswerden ... Das sind einfach Sachen, die so nie in den Prospekten oder in der Werbung stehen, und die auch in den meisten Reviews (incl. meiner eigenen) nicht vorkommen.

      Viele Grüße
      Jo
      Mix4Munich
      Johannes Komarek
      mix4munich.de/portal.htm
      EDIT 2: Durch Zufall habe ich nun doch einen Dreiband-EQ in dem Teil gefunden. Man ruft ihn auf, indem man von einem Sound in den Edit-Modus geht, DRIVE/PreAmp auswählt und dann die Taste DRIVE/PreAmp nochmal für etwa zwei Sekunden gedrückt hält - dann blinkt die zugehörige LED schnell, und die drei Paramater-Regler werden zu Bass, Mitten und Höhen.

      Okay, nix für den schnellen Zugriff im Live-Betrieb, aber für zuhause oder um sich mal ein paar Sounds zusammenzueditieren, reicht das sicher aus.

      Viele Grüße
      Jo
      Mix4Munich
      Johannes Komarek
      mix4munich.de/portal.htm