Kemper Profiling Amplifier...

      ziemlich interessant.
      Ich bin vintage-liebhaber und nur sehr schwer von modelling-technologie zu überzeugen. In diesem Video nimmt er auch noch meinen Lieblingsamp in die Zange.
      Entäuschend ist die abnahme bzw. das gewählte Setting des Twins. Ich finde diesen gewählten sound alles andere als Twincharakteristisch.
      Vor allem die gewählte Lautstärke. Entweder ist es schlecht abgenommen, oder er spielt den twin deutlich zu leise. Er merkt es ja auch in der Mitte des Videos an, dass man den twin nicht ohne Nachbarschafts-Stress in seine volle Charakterentwicklung bringen kann.
      Abgesehen davon ist das ergebnis doch ziemlich gut. Ich vermute mal Zielgruppe sind Studios, die so eine vielzahl von berühmten Amps analysieren und modellieren können. So könnte man eine digitale Datenbank von allen Baureihen jedes einzelnen Amps erstellen.

      Wichtiger wäre für mich der Punkt der Einsetzbarkeit. Fast jeder berühmte Gitarrensound basiert ja nicht nur auf dem benutzem Amp.
      Nehmen wir einfach nen Cleanboost vor einem beliebigen Röhrenamp. Ziel ist es, mit dem Cleanboost, die Röhren weiter Richtung Sättigung zu treiben. Das funktioniert und klingt schön. Bei einem Modeller wirkt ein solcher Effekt nicht. Es sind in der Regel keine Röhren da, die man weiter sättigen könnte.

      Aber das ist vermutlich dann die übliche Modelling-Amp Diskussion. Ich habe keine Abneigung gegen Modellinggeräte. Sie erzeugen teilweise wirklich schöne Gitarrensound und sind gerade im Schreibtischbetrieb mit Studiomonitoren super flexibel.
      Im Proberaum und auf der Bühne mag ich dann doch lieber meinen Sound haben. Er ist schließlich in jahrelanger Soundtüftelei entstanden und befindet sich auch im ewigen Entwicklungsprozess. Wenn ich meine Pedale anschmeiße, und die LED's zu blinken und zu leuchten anfangen und dann das Anschaltgeräusch meines Amps höre und sich sein leichtes sanftes Rauschen dazugesellt(er ist immerhin schon um die 30 Jahre alt), dann geht mir jedes Mal von neuem ein wohlig warmes Gefühl durch den Körper. Als wenn ich im tiefsten Winter gerade in meine mollig Warme Wohnung zurückgekehrt bin.

      In der Wohnung zum Üben nutz ich einen Modeller. Und einige meiner Sounds sind von ihm inspiriert.
      Ja ich glaub auch, dass der hauptsächlich für Studios interessant ist. Aber man stelle sich mal vor, dass man einfach so Vintage-Amps einscannen kann und dann immer parat hat. NIcht nur irgendein vorgefertigtes Modell, sondern genauso wie man ihn haben kann. Wenn das funzt wär das schon praktisch.
      Für mich stellt sich auch die Preisfrage. Wenn das Teil erschwinglich ist und die Technik dann auch noch überzeugt, könnte man sich ja die sündhaft teuren Vintage Amps sparen und trotzdem zu einem guten ergebnis kommen... Ich stell mir gerade vor wie die Amphersteller auf die BArrikaden gehen, weil keiner mehr ihre Amps kauft... So ein bisschen wie bei Napster. Wahrscheinlich zu weit hergeholt, aber wenn das wirklich funktiniert???
      Ja diese Scantechnik begeistert mich auch.
      Fraglich in wie weit das Mikrofon dort mit gescannt wird.
      Und das beschriebene zusammenspiel mit dem Pedalboard.
      Für jemanden, der gern nen alten AC30 trockenspielt, ohne jegliche Effekte ist es kein Thema. Aber was bringt dir das Ampmodell, wenn es anders auf deine Treter reagiert.
      Hmmmmmmm...die Theorie des Ganzen leuchtet mir ein, er gibt ein Referenzsignal (weisses- oder rosa Rauschen, Sinustöne oder weiss-der Geier-was) in den Originalamp, und das in verschiedenen Lautstärken, das Referenzsignal wird dann an verschiedenen Punkten (ich denke mal am Line-out, am Lautsprecherausgang, am Speaker und/oder hinter dem Mikrophon) ausgewertet und die Unterschiede zwischen Referenzsignal und dem was aus dem Amp kommt bildet dann die Basis für das erstellte "Profil" im Profiling-Amp...im Grunde nichts anderes, als die Einnmesssoftware für z.B. Studiomonitore oder das Arbeiten mit Impulsantworten. Soweit die Theorie...praktisch hinkt es für mich, da, im Unterschied zu z.B. der Line6 Modelling-Technik, nicht der Schaltkreis des Amps virtuell nachgebildet wird (was für mich die bessere Technik darstellt), sondern scheinbar nur das Signal akustisch "verbogen" wird und somit das Spielgefühl wahrscheinlich völlig falsch und wesentlich synthetischer als beim "klassischen" Modellig sein wird.
      Darüber hinaus versuch mal nen Plexi-Marshall zuhause zu profilen....da kommt zum Preis des Profiling-Amps noch ein Tag Studiomiete drauf.
      In Zeiten vom Line6 HD-Modellig, GuitarRig4 und AxeFX-Ultra rechne ich dem Gerät keine grossen Chancen aus...kann mich aber auch täuschen....
      Manche Menschen sind sehr irritiert, wenn Sätze anders enden, als wie sie Rübenmus!!!
      hm. Aber der sagt doch in dem ersten Video gleich, dass der Amp genau das macht, nämlich den ganzen Amp "dreidimensional" ausmisst. Ich mein das ist das doch oder nicht? Ich glaube man kann auch den Plexi mal zu Hause profilen, geht ja schnell. Oder halt im Proberaum. Ich meine, viel Raum nimmt der ja nicht mit.
      Kannst du mit dem Line6 HD denn überhaupt eigene Models erstellen? Kenn mich mit dem Ding nicht aus.
      Jahaaa, aber son Plexi will ja auch ausgefahren werden, damit er klingt...und das ist nur bedingt Proberaum- und definitv nicht Mietwohnungskompatibel weil L A U T !!!!
      Was den Unterschied zwischen Profiling-Amp und z.B. den Line6 Modellern angeht, ist das wohl folgender:
      beim Kemper Amp-Profiler wird scheinbar der Sound dadurch erstellt, dass ein Signal dahingehend analysiert wird, wie klingt es vor, und wie nach dem Amp und diese Soundfärbung (Zerre inklusive) wird dann als Ampprofil berechnet.
      Bei Line6 z.B. sieht es so aus, dass die Klangveränderung, bzw. Klangbeeinflussung eines Signals durch jedes klangrelevante Element eines beliebigen Amps ausgemessen wird und daraus sich dann das Model errechnen lässt.
      Im Klartext heisst das, es wird geschaut, wie sich das Signal nach der Eingangsstufe, nach der ersten, zweiten, dritten...usw...Röhre verhält, wie nach der Klangregelstufe, wie nach der Gleichrichterstufe, wie in der Endstufe. Line6 nennen das stylisch (und im Boutique-Jargon) "Point-to-Point-Modeling". Das Gleiche wird dann (nicht ganz so aufwendig) bei den Mikrophon-und Boxenmodels gehandhabt.
      Und weil das so irre aufwendig ist, kann man (um Deine Frage zu beantworten), bei Line6 Geräten keine eigenen Amps modeln und deshalb sehe ich den Kemper Profiling-Amp schon sehr kritisch..eben weils mir doch sehr (fast schon zu) simpel erscheint.
      Wenn bei Kemper also von dreidimensionaler Erfassung des Amps gesprochen wird, halte ich das erstmal für das übliche PR-Gerede (zumindest bis ich mich vom Gegenteil überzeugt habe).
      Ich denke mal, dass man mit dem Kemper-Amp zwar grundlegende Soundmerkmale eines Amps schon einfangen und wiedergeben kann, aber wenn es um möglichst realistische Darstellung eines Amps geht (auch in Sachen Spielgefühl und Räumlichkeit), wird das Teil einem Line6HD 500 Pedal oder HD 50-Amp, respektive einem Axe-FX-Ultra definitiv nicht das Wasser reichen können...zumindest kann ich es mir nicht vorstellen....
      P.S.: nicht zu vergessen die Softwarelösungen...Peaveys Revalver sei da genannt, wo man nicht nur auf real existierende Amps zurückgreifen, sondern aus verschiedenen Ampkomponenten (Röhrenstufe, Klangregelung, Gleichrichter, Endstufe....) seinen Traumamp selber "bauen" kann...DAS finde ich persönlich viel spannender... :wink:
      Manche Menschen sind sehr irritiert, wenn Sätze anders enden, als wie sie Rübenmus!!!

      Re: Kemper Profiling Amplifier...

      Hab jetzt ein paar Tests von dem Dingen gelesen und meiner Skepsis zum Trotz scheint das tatsächlich zu funktionieren...sogar so gut, dass dem Kemper sogar schon der Status einer Studioreferenz in Sachen Modelling angedichtet wird!! Ich werde es tatsächlich wohl mal ausprobieren müssen...
      Manche Menschen sind sehr irritiert, wenn Sätze anders enden, als wie sie Rübenmus!!!

      Re: Kemper Profiling Amplifier...

      Lang ist's her, aber hier mal ein Update:
      Ich habe mir den Amp mal im Laden über zwei gute Studiomonitore angehört, und das war schon beeindruckend nah dran am Original. Sound, Ansprechverhalten, "Widerstand", alles da. Angeblich wäre auch das "Profilen" anderer Amps ein Kinderspiel, selbst der technisch gnadenlos unbegabte Verkäufer hat es geschafft.

      Viele Grüße
      Jo
      Mix4Munich
      Johannes Komarek
      mix4munich.de/portal.htm