E-Gitarre: Technik, Floyd Rose, Einstellungen

      E-Gitarre: Technik, Floyd Rose, Einstellungen



      Neben dem Saitenwechsel mit anschließendem stimmen haben viele Benutzer häufig Probleme mit dem Einstellen des Floyds. Dabei ist es vom Prinzip her genauso einfach wie bei einer festen Brücke. Nur die Ausführung erfordert etwas mehr Zeit; doch dazu später mehr.

      Saitenhöhe:
      Viele Gitarristen möchten gerne die Saitenhöhe oder auch Saitenlage genannt ändern. Manche möchten sie nach oben setzen, also weiter vom Griffbrett weg, manche möchten die Saiten näher ans Griffbrett holen. Manchmal stellt sich nach Jahren ein schnarren der Saiten ein. Das kann man zwar auch mit der Saitenhöhe kompensieren, es empfiehlt sich diese korrektur mittels der Halsstellschraube (Truss rod) einzustellen. Für nähere Details bitte den entsprechenden Thread beachten
      Die Höhe der Brücke, und damit der Saiten, wird mittels zwei Haltebolzen eingestellt. Diese Bolzen sind fest in dem Gitarrenkorpus verankert und stellen den Ankerpunkt für die Messerkanten des Floyd Rose dar. Das klingt jetzt technischer als es tatsächlich ist. Laienhaft ausgedrückt: die zwei gut sichtbaren Schrauben vor der Brücke sind die Haltebolzen.
      Ein wichtiger technischer Umstand muss zwingend beachtet werden wenn man die Saitenhöhe ändert.
      Die Saiten entwickeln einen recht hohen Zug auf die Brücke. Um der mechanischen Belastung standzuhalten sind sowohl die Bolzen als auch die Messerkanten des Tremolos an ihren Verbindungsstellen gehärtet. Diese gehärtete Schicht ist hauchdünn, was für die normale Belastung allerdings auch vollkommen ausreichend ist.
      Wenn man nun bei vollem Saitenzug die Schraube dreht entstehen Scherkräfte durch die die gehärteten Oberflächen abgetragen werden. Der Stahl der darunter liegt ist meistens weich und dieser Belastung nicht gewachsen. Die Folge: Man schneidet sich Grate in die Bolzen und Messerkanten, die sich bei Bewegungen am Hebel miteinandern verkanten können und so die Stimmstabilität zunichte machen.
      Das Einstellen der Saitenhöhe muss also bei entspannten Saiten erfolgen. Hierzu merkt man sich die Saitenhöhe, entspannt die Saiten und justiert dann die Höhe neu. Wer auf Nummer sicher gehen möchte kann das Floyd auch vollkommen rausnehmen. Dazu muss man aber erstmal die Konterfedern entfernen. Normalerweise ist dieser Arbeitsschritt aber nicht nötig.
      Man sollte sich der angestrebten Saitenhöhe langsam nähern. Ein kompletter Saitenwechsel bietet sich hierfür an der Saitenhöhe einige µm zu klauen bzw. hinzu zufügen.
      Beim tieferlegen der Saitenhöhe sieht man sich irgendwann mit den Saitenschnarren konfrontiert. Hierzu muss man die Einstellung der Halsstellschraube bzw. Halsspannstab ändern. Bitte hierzu den betreffenden Thread beachten.

      Federhärte:
      Neben den Saiten üben die im Korpus befindlichen Federn einen Zug auf das Tremolosystem aus. Diese Konterfedern sind an einer Platte mit fünf Haken mittels zwei Schrauben im Korpus verankert. Die Grundplatte verfügt über fünf Vertiefungen in denen die Schrauben ebenfalls verankert werden können. Je nach Positionierung der Federn an der Gitarre und der Grundplatte ändert sich deren Zugverhalten am Tremolo. Allgemein kann man sagen, dass je näher die Federn sich auf der Grundplatte stehen desto höher ist ihr Zugverhalten da sich die Fläche verringert auf die sie ihre Kraft ausüben. Für nähere Details bitte dazu die Abhandlungen von Sir Isaac Newton beachten...
      Man muss die Federspannung bzw. die Konterkraft nicht symetrisch anbringen. Es kann je nach Stimmung, Saitenmarke, -modell und stärke nötig sein die Konterkraft an einem Bereich zu konzentrieren. Man kann, sollte es nötig sein, auch die komplette Konterkraft z. B. auf die Basssaiten konzentrieren - das ist jetzt aber schon ein extrembeispiel. Zwei konkrete Beispiele aus der Praxis:

      Schwacher Konterzug:
      Auf der Gitarrenseite hängt man die Federn auf die mittleren drei Haken, auf der Tremolo hängt man die Federn auf den jeweils äußeren Aufnahmen und in die mittlere ein.
      Dies kann bei dünnen Saiten und/ oder downtunings Sinnvoll sein da dann auch der Zug der Saiten geringer ist.

      Starker Konterzug:
      Man verfährt exakt umgekehrt. Man hängt die Federn an den äußeren Aufnahmen auf und kontert in der Mitte des Tremolos. Das kann immer dann Sinnvoll sein, wenn der Zug der Saiten stärker ist, z. B. wenn man eine höhere Saitenstärke verwendet.

      Man kann auch weitere Federn hinzufügen. Letztenendes ist es wichtig möglichst exakt dem Zug der Saiten entgegen zu wirken. Im "Normalfall" reichen die Einstellmöglichkeiten über die Federverteilung und die Tiefe deren Verankerung im Korpus vollkommen aus um Downtunings bis zu 5 Halbtöne oder eine Saitenstärke erhöhen auf bis zu 13 - 58er Sätze zu kompensieren.

      Oktavreinheit:
      Für die Begriffserklärung und das eigentliche Stimmprocedere bitte den entsprechenden Thread beachten.

      Vom Grundprinzip stellt man auf bei einem Floyd Rose die Oktavreinheit ein wie bei jeder herkömmlichen festen Brücke; eben durch verlängern oder verkürzen der Mensur. Durch die Konstruktionsbedingten Eigenheiten gestaltet es sich hierbei ein wenig umständlicher. Die Oktavreinheit muss zwingend bei einer komplett richtig gestimmten Gitarre erfolgen (für das Stimmen eines Floyd Rose Systems bitte den Thread "E-Gitarre: Technik, Floyd Rose, Stimmen"), da sonst Unreinheiten durch einen etwaigen Fehlstand der Brücke zustande kommen können. Ist nun der Wert der Oktavunreinheit bestimmt verringert man den Saitenzug, bis man bequem an die Schraube gelangt die den Schlitten hält. Diese löst man und verschiebt den Schlitten entsprechend der festgestellten Oktavunreinheit. Anschließend wird die Schraube wieder befestigt, die Saite auf Spannung gebracht und die ganze Gitarre durchgestimmt. Ist dies geschehen kontrolliert man erneut die Oktavreinheit und wiederholt ggf. den Vorgang. Bis man alle 6 Saiten Oktavrein hat.



      Runter/ Rauf stimmen:
      Anders als bei festen Brücken und Vintage Tremolos ist es beim Runterstimmen nicht mit dem runterschrauben der Saiten getan. Durch das erniedrigen des Saitenzuges vergrößert sich die Konterkraft der Federn. Um Diesem entgegenzuwirken und das Floyd wieder funktionsfähig in der Waage zu halten, schraubt man einfach die Halteplatte ein wenig aus der Gitarre. Bei einem Halbton dürften - über den dicken Daumen gepeilt - 1 bis 1,5 Schraubenumdrehungen reichen. Selbstverständlich kann der Wert von Instrument zu Instrument auch stark variieren so das dies defintiv kein exakter Richtwert sein kann. Beim Ändern der Saitenstärke muss man ebenfalls wieder hier ansetzen damit das ganze System stimmt. Dickere Saiten entwickeln einen höheren Zug, dünnere logischerweise weniger. Runterstimmen verringert den Zug, hoch stimmen erhöht ihn usw.

      Mit ein wenig Fingerspitzengefühl und Erfahrung ist es so auch kein Problem mehr Opentunings, Drop Tunings etc. einzustellen. Nachteil: "Mal eben" die Stimmung zu ändern ist nicht möglich da man ein wenig Zeit investieren muss bis die Gitarre stimmt. Wer also häufig verschiedene Tunings braucht legt am besten das Floyd still, schafft sich eine Gitarre mit fester Brücke an oder spielt in einem Tuning das für alle Songs gleichbleibt. Die Grundstimmung der Gitarre bei einem Floyd Rose Tremolo schnell zu ändern ist zum momentanen Zeitpunkt der Entwicklung unmöglich. Es gibt Hersteller die Systeme anbieten mit denen sich vorprogrammierte Tunings auf Knopfdruck abrufen lassen. Leider bislang nur für feste Brücken Systeme, es bleibt abzuwarten ob jemals so etwas für Tremolosysteme, speziell fürs Floyd Rose zur Marktreife gelangen und vor allem für die Breite Masse bezahlbar sein wird.
      Selbstmord ist kein AUX Weg!!