E-Gitarre: Spieltechnik, Squeelies

      E-Gitarre: Spieltechnik, Squeelies

      Um das Spiel ein wenig farbiger und lebendiger zu Gestalten kann man div. Techniken anwenden. Unter anderen gehören da auch Obertöne dazu. Neben den natürlichen Obertönen, den sog. Flageolettes oder auf englisch natural harmonics gibt es auch künstliche erzeugte, artifical harmonics, die man einer Saite aufzwingen kann. Diese werden Squeelies genannt.
      Gitarristen wie Zakk Wylde, Dimebag Darrel, Rhandy Roads, Michael Angelo Batio oder Steve Vai um nur einige wenige zu nennen haben diese Technik populär gemacht.

      Squeelies kennzeichnet ein - je nach Soundset up - singender bis schreiender lang anhaltender Ton der sich nach belieben auch ziehen (benden) oder mit vibratos versehen lässt. Je nach position der Tonerzeugung kann man eine hörbare erhöhung von Terzen, Quinten oder ganzen Oktaven erzeugen.

      Technik:
      Voraussetzung im Squeelies sauber und akurat spielen zu können ist ein sauberer und akurater naturton. Die Saite sollte nicht scheppern und auch immer sauber gegriffen werden. Mehr muss die linke Hand eigentlich auch nicht machen. Viele, wie z. B. Zakk Wylde, spielen die Squeelies allerdings in ein wide vibrato hinein, was ihnen einen noch schreienderen Charakter verleiht. Brian May setzte sie meistens als singende ergänzung zu seinem ohnehin schon weichen obertonreichen Spiel ein. Ein sehr gutes Hörbeispiel hierzu ist "Bijou" von Queen auf dem Album "Innuendo".
      Diese Technik kommt zu großen Teilen aus der rechten Hand, der Schlaghand. Um einen Squeelie zu erzeugen muss man die Saite zweimal im gleichen Moment treffen. Die gebräuchlichste Methode hierzu ist das Plec mit der Spitze in Handballenrichtung zu drehen, so dass man mit der Spitze des Daumen die Saite mittrifft. So versetzt man die Saite in eine andere Schwingung als wenn man sie normal anschlägt. Das Ergebnis ist eine Oberwelle über der normalen Sinusschwingung der Saite.
      Eine aus der Klassik abgeleitete Technik ist die Saite mit dem Mittelfinger, oder wenn man das Plec zwischen Daumen und Mittelfinger hält, mit dem Zeigefinger zu treffen während man mit dem Plec die Saite spielt. Beide Techniken haben Vor- und Nachteile.
      Vorteil der klassischen Technik ist die Möglichkeit schnell zwischen natürlichen Obertönen und Squeelies hin und her zu wechseln. Für die natürlichen Obertöne muss man den Finger 12 Bünde über dem gegriffenen Ton halten während man die Saite anspielt.
      Je nach Position der rechten Hand variiert die Tonhöhe des Squeelies. Da sich alle Gitarren unterscheiden kann ich hier keine Haarfeinen Angaben machen lediglich Landmarken zur Orientierung.
      (Natürlich lässt sich dieser Bereich ausmessen, jedoch ist mit einer µm Angabe gemessen vom Steg niemanden wirklich geholfen, da es toleranzbereiche gibt in denen immer noch ein Squeelie gut funktioniert. Aber das führt an dieser Stelle zu weit.)
      Ungefähr einen Handbreit vom Steg entfernt, also ziemlich genau zwischen den Tonabnehmern (bei zwei Humbuckern) erhöht man um eine Oktave, etwas mehr als einen Fingerbreit zurück in richtung Steg erzeugt man eine Quinte, und nochmal knapp ein Fingerbreit weiter zum Steg eine Terz.

      Zum Üben bietet sich die "G" Saite an. Am leichtesten entlockt man einer Saite ihre Obertöne 'auf den Pünktchen' - also überall da wo eine Bundmarkierung ist.
      Trifft man sie sicher kann man das auf alle Saiten ausweiten. Zakk Wylde spielt sie gerne auf den Bass Saiten mit einem wide Vibrato. Steve Vai spielt sie gerne in den oberen Lagen mit einem smear bend. Jeder Gitarrist hat da seine eigenen Lieblingspositionen und techniken. Es kann nicht schaden sie alle zu kennen und zu können.

      Sonderformen:

      - Dive Bombs: Man spielt einen Squeelie in einer etwas höheren Lage und drückt den Hebel des Tremolosystems zum Korpus (ein Dive halt). Wenn man den Ton ein wenig in die Länge zieht und nicht zu schnell den Hebel bewegt klingt es wie eine Fliegerbombe die fällt. Daher der Name.

      - High Pinch Harmonic Squeelies: Die hat Dimebag Darrel bekannt gemacht. Hierzu drückt man den Hebel zum Korpus und versetzt die Saite schwingung während man einen natürlichen Oberton spielt. Lässt man die Saite nun in ihre Ausgangsposition zurückkehren erzeugt sie einen enorm Hohen Ton. Ein gutes Hörbeispiel hierfür ist das ende des Songs "Cemetary Gates" von Panthera.
      Hierbei gilt zu beachten, dass je kürzer die Oberwelle der Saite ist, sich der gehörte Ton umsomehr erhöht. Praktisch heißt dies dass HPHS im 3. Bund höher sind als im 7.

      - Double Dive Bombs: eigentlich keine Squeelies im herkömmlichen Sinne, da natürliche Obertöne. Man spielt die natürlichen Obertöne im 5. Bund der "B" Saite und im 7. Bund der hohen "e" Saite und macht danach einen Dive mit dem Tremolosystem. Durch die unterschiedlichen Oberwellen erzeugt man einen sehr exotischen Effekt.

      - Elephant: Gut zu hören auf Steve Vai's "Passion and Warfare". Man dreht den Volume Regler auf 0, spielt einen natürlichen Oberton im 5. Bund der "D" Saite und im 7. Bund der "G" Saite dreht den Volumeregler auf und zieht gleichzeitig am Hebel (Pull). Voila, es klingt wie ein trompetender Elefant.

      Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Das beste Mittel ist einfach auszuprobieren wie sie einem selber gelingen und wie sie einem Spaß machen. Man sollte jedoch im Song überlegt damit zu werke gehen und nicht übertreiben, da sich sonst ihr Effekt verliert.
      Selbstmord ist kein AUX Weg!!