mix4munich

Anmeldungsdatum: 15.03.2007 Beiträge: 287 Wohnort: München
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Verfasst am: Mi März 26, 2008 14:57 Titel: Musical "Jesus Christ Superstar" in München |
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Hallo Forum,
am Karfreitag wurde im Münchener Prinzregententheater das Musical "Jesus Christ Superstar" aufgeführt. Falls das jemand nicht kennt, ein Hippie-Musical üder die letzten Tage von Jesus, gespickt mit Seitenhieben auf die Geschehnisse und Verhältnisse heute (bzw. damals, denn auch JCS stammt bereits aus den Siebzigern). Mit ein paar Freunden und der besten Ehefrau von allen im Schlepptau bin ich zur Aufführung getigert.
Ins Prinzregentheater (ab nun von mir abgekürzt PRT) gehen rund 1000 Zuschauser rein, man sitzt ähnlich wie in einem Amphitheater angeordnet, kann also von überall ohne Kopfverrenkungen die Bühne sehen. Wir haben uns erst spät um Karten gekümmert uns sassen demenstprechend, in der drittletzten Reihe, recht weit aussen. Interessanterweise waren Sound und (mit Ausnahme eines Sängers) Textverständlichkeit wirklich hervorragend. Dabei hat man gerade mal einen gut getarnten Subwoofer sehen können, die Tops waren gut versteckt und hinter Stoffen verborgen.
Die Band (alle Musik wurde live gespielt) war mit Drums, Bass, Git und Keyboards besetzt, der Dirigent (mit dem Rücken zum Publikum) hatte ebenfalls ein Piano vor sich stehen und an seiner Seite - einzig deutlich sichtbarer Lautsprecher - einen Montor, ich denke, von K.M.E. Die Band "thronte" auf einem Podest, mittig und recht weit hinten auf der Bühne. Vom Zuschauerraum aus betrachtet links davon und auf einem geringfügig niedrigeren Podest waren eine sechsköpfige Bläsertruppe, dahinter ein Percussionist. Rechts der Band nochmal zwei Querflöten und eine rund vierköpfige Streichertruppe (konnte ich während der Aufführung nicht sehen, habe es nur gegen Ende abschätzen können, als die ganze Truppe nacheinander nach vorne kam, um sich den verdienten Applaus abzuholen).
Hinter diesen Podesten war ein noch höheres Podest, auf dem Teile des Chors herumturnten. Interessant - die sangen nicht nur, sondern tobten stellenweise auch mit über die Bühne und waren in die Choreographie integriert.
Für die Akteure waren jede Menge Headsets am Start - diese kleinen, nahezu unsichtbaren, ich vermute von Countryman. Herausragende Sänger waren für meinen Geschmack die Maria Magdalena, ein wundervoller Mezzosopran, und Jesus, ein Bariton. Supercool auch der Richter Cajaphas, ein Bass. Die Killerline in dem Musical aber stammt von König Herodes - bei seinem Auftritt liegt er mit runtergelassener Hose und gut angeschickert inmitten seiner Partytruppe und macht sich über Jesus lustig, geht dann aber (mit hochgezogener Hose) noch ganz gut ab:
"Tu' doch nicht so fromm und cool, latsch' über meinen Swimmingpool"
(im englischen Original: "Jesus Christ, don't be a fool, just walk across my swimmingpool")
Klar, reine Blasphemie, aber der Reim verdient einen Orden
Diese Zeile hat sich in mein Hirn gebrannt, als ich vor rund 25 Jahren zum ersten und einzigen Mal den Film des Musicals gesehen habe. Und die deutsche Übersetzung wird mich wahrscheinlich die nächsten 25 Jahre verfolgen ... okay, ich ende aller Voraussicht nach als Blasphemiker in der Hölle, aus der Nummer hilft mir mein biblischer Name auch nicht raus.
Bis es soweit ist jedoch wundere ich mich über die Tatsache, dass ich auf Anhieb jede der Melodien und Hooks in dem ganzen Musical sofort wieder präsent vor Augen (naja, eigentlich Ohren) hatte. Da hat Webber beim Komponieren ganze Arbeit geleistet, die Musik brennt sich echt unauslöschlich in die Hirnwindungen.
(Frage am Rande: Kennt jemand hier das Buch "Die Bibel nach Biff"? Geschrieben vom besten Kumpel des Erlösers, und zwar wirklich von Anfang an! Seeeehr lesenswert, aber nur für Blasphmiker und Hartgesottene)
Ach so, eigentlich war ich ja noch bei den Qualitäten der Sänger: All meinen Begleiterinnen hat natürlich der Judas am besten gefallen, aber ich steh' nicht so auf die Tenorstimmlage, daher nur der Vollständigkeit halber. Die Rolle jedoch hat er klasse gespielt, tribal Tattoos an den Armen und sichtlich hin- und hergerissen.
Also, wer sich an deutschen Übersetzungen englischer Originale nicht stört, wer sich ein gutes Musical und quietschfidele Akteure sowie eine gute Band bei bestem Sound reinpfeifen will, soll mal sehen, ob die Truppe nicht auch bei Euch in erreichbarer Nähe gastiert. Ich jedenfalls finde, die EUR 44,- pro Nase waren nicht schlecht angelegt. Und es gibt noch günstigere Plätze.
Viele Grüße, viel Spass
Jo
PS: Schade nur, dass wir die einzigen im stilechten Hippie-Outfit waren, der Rest der Münchner Scene kam in gediegenem Schwarz-Grau  _________________ Mix4Munich
Johannes Komarek
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