Testbericht Korg Kaossilator

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gyuri
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Testbericht Korg Kaossilator

Beitragvon gyuri » Fr 21. Mär 2008, 09:27

Nachdem ich letztens unzählige Videos auf Youtube angeschaut habe, mußte ich das Ding haben. Der Kaossilator ist ein "dynamic phrase synthesizer" im Pocketformat mit einem Touchscreen statt Tastatur und hat nebst 100 eingebauten Programmen, die man meist zweidimensional (Tonhöhe + Klangeigenschaften, von Programm zu Programm verschieden) steuern kann, auch noch 31 verschiedene Skalen und eine eingeschränkte, aber praktische kleine Loop-Funktion.

Nachdem ich eigentlich nicht auf elektronische Musik stehe, hat mich mehr interessiert, was man mit dem Ding sonst so anstellen kann, Richtung Blues, Rock, Jazz oder auch Klassik. Die 149 ? hab ich mir gegönnt und den Kaossilator bei der Klangfarbe bestellt (Musik Produktiv und Amazon haben ihn zum selben Preis im Angebot, aber noch nicht lagernd). Vorgestern kam er dann an, und damit auch eine kleine Ernüchterung.

Beginnen wir mit den Programmen. Sie sind in einigermaßen logische Gruppen aufgeteilt (Lead, Acoustic, Bass, Chord, Sound Effects, Drum und Drum Pattern), denen für meine Bedürfnisse ein wenig die falschen Schwerpunkte zugeordnet sind (20 Lead oder SE, dafür nur je 10 Acoustic oder Chord), aber das ist klar, ich bin auch nicht die vorrangige Zielgruppe. Blöder ist, daß von den 10 Acoustic-Programmen drei nicht mal mit sehr viel Wohlwollen als Acoustic durchgehen (der Rest ist durchaus brauchbar, sehr schöne Trompete oder auch eine von der Idee her geniale, aber nicht ganz intelligent programmierte Mundharmonika, die auch zweistimmig kann) und daß bei den 10 Chords auch einige dabei sind, die man nicht wirklich sinnvoll als Akkordbegleitung verwenden kann.

Auch die Drums und die Drum Patterns hauen einen nicht unbedingt vom Hocker, es fehlt eindeutig sowas wie ein härterer, treibender Rock-Beat oder auch etwas sanftes Jazzigeres. Für Electronic- und Techno-Fans ist aber sicher einiges dabei. Leider beschränken sich alle Patterns (das werden wir noch beim Loop-Modus wiederfinden) auf 4/4, zumindest ein 3/4-Takt wäre interessant gewesen.

Auch die Skalen sind nicht ganz durchdacht. Die 31 Tonleitern beinhalten für meinen Geschmack zu viele parallele und daher redundante Skalen (alle Modi zum Beispiel, die man einfach auch durch Änderung des Grundtons haben könnte, oder Moll- und Durpentatonik, wo das gleiche gilt) und einige, deren Sinn sich mir noch nicht ganz erschließt, dafür fehlen so wichtige wie harmonisch und melodisch Moll.

Die Loop-Funktion funktioniert mit nur einem Knopf und umfaßt genau zwei Takte, was den Traum von Walzer oder Take Five zerstört, dafür können mehrere Layer übereinandergelegt werden. Einen richtigen Speicher gibt es nicht (beim Ausschalten ist alles weg), aber man kann das eben geloopte fixieren und damit immer den zuletzt eingespielten Layer wegschmeißen, was natürlich notwendig ist, wenn man sich mal vertut.

So, genug geraunzt, jetzt kommt das Positive. Abgesehen von all den Beschränkungen kann man mit dem Ding einfach Spaß haben und auch brauchbare Musik machen. Was elektonische Musik angeht, könnt ihr auf Youtube einiges sehen, und ich habe zum Beispiel gerade eben auch Cantaloupe (freilich ohne die Harmoniewechsel, durchgehend in der Ausgangstonart) nachgebaut, indem ich Drums, Bass und die Klavierbegleitung übereinandergeloopt und dann das Trompetensolo drübergespielt habe.

Die Eingabe mit dem Touchscreen funktioniert ganz gut, natürlich muß man erst ein wenig Fingerspitzengefühl (im wahresten Sinne des Wortes) entwickeln, um die richtigen Töne zu treffen. Wenn man sich nicht um irgendwelche Tasten oder Bünde kümmern muß, sondern sich darauf verlassen kann, daß die Töne der ausgewählten Skala passen, kann man sich richtig schön auf Melodielinie und Phrasierung konzentrieren, und dann sind mit dem kleinen Kastl echt coole Dinge machbar.

Der Kaossilator ist aus einem wunderbar retro-häßlichen gelben Plastik mit einer Frontplatte aus Edelstahl und siehst nicht aus, als würde er einen Sturz überleben, aber bei einiger Vorsicht wird er sicher ein paar Jährchen durchhalten. Er wird entweder mit 4 mitgelieferten AA-Batterien (mitrechnen, das sind 6 V) oder mit einem nicht mitgelieferten 4,5 V Adapter, den ich mir extra kaufen mußte (kann mir jemand erklären, wieso er keine 6 V aus dem Adapter vertragen würde? Ich habe mich nicht getraut, es auszuprobieren), betrieben, und hat außer dem Adaptereingang nur Kopfhörer- und Line-Out-Ausgänge.

Obwohl ich einiges geschrieben habe, was man meines Erachtens besser hätte machen können, fasziniert mich grundsätzlich seit jeher die Idee, mit beschränkten Instrumenten Musik zu machen. Ich war jahrelang im Klingeltonbusiness tätig und habe viel mit den uralten monophonen Handys experimentiert, bin bei diversen gelegenheiten mit einem Spielzeugklavier aufgetreten und ähnliches, also wird sich der Kaossilator nahtlos in meine Sammlung fügen. Die Bedienung ist denkbar einfach, man bastelt schnell mal was nettes zusammen, kann durch besagte Youtube-Videos einiges lernen, und mit der Zeit findet man auch Mittel und Wege, mit den Beschränkungen umzugehen und sie zu einem reizvollen Feature umzudeuten.

Falls es hier auch andere Kaossilator-User gibt, würde ich mich über Erfahrungsaustausch freuen!

gyuri
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Ergänzung

Beitragvon gyuri » Fr 28. Mär 2008, 17:25

Nach ein paar Tagen herumspielen bin ich auf was wichtiges draufgekommen: im Prinzip bleibt alles, was geloopt ist, so wie es war, sprich man kann nicht nachträglich das Geloopte transponieren oder schneller bzw. langsamer machen. Aber, und das ist ein großes aber: die Looplänge wird sehr wohl nachträglich beeinflußt, wenn man das Tempo ändert - denn sie umfaßt auch im neuen Tempo genau zwei Takte. Das heißt, wenn ich zb. zwei Takte Drums mit 120 bpm loope und dann das Tempo auf 192 hochschraube, bleibt ein astreiner 5/4-Takt über. Also doch Take 5 ;-)

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Beitragvon wds » So 28. Dez 2008, 05:49


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Beitragvon gyuri » Fr 2. Jan 2009, 22:37

danke, hab ich wirklich noch nicht gewußt!