Bevor ich starte und Fragen kommen: ich habe keine Ahnung, wie ich Fotos in den Text einbinden kann, wenn mir einer da behilflich sein kann, reiche ich sie nach, versprochen!!!
Also, zum Test tritt an eine Parker PM-20 in der limitierten Sonderfarbe trans black.
Anfang der 90er beschäftigten sich viele Hersteller damit, Holzersatzstoffe im Gitarrenbau zu verwenden, prominenteste Beispiele waren da Steinberger, Modulus und eben Parker.
Ken Parker wollte aber nicht komplett auf Holz verzichten, sondern den Holzton verbessern und die Gitarren stabiler machen, also statt eines z.b. kompletten Halses aus Graphit (wie bei Steinberger) bettete er einfach (Holz-)Hals und (Holz-)Korpus in eine einteilige Fiberglasschale ein.
Dazu ein teilweise ausgehöhlter Korpus, ein innovatives Tremolo mit Kugellageraufhängung und Piezo-Reitern und unzerstörbare Edelstahlbünde in einem steinharten Phenolgriffbrett, realisiert in einer extrem ergonomischen, aber auch extravaganten Form...die Fly-Deluxe war geboren!!!
Die Gitarre (ebenso wie ihre Schraubhalsschwester NiteFly) wurde ein recht grosser Erfolg, trotzdem störten sich viele Gitarristen zum einen an den künstlichen Materialien, zum anderen aber auch am sehr hohen Preis (2000,-Euro und nach oben offen..).
So ersann man bei Parker Ende er 90er eine preisgünstige Vollholzserie (P-Series), die dann aber auch konsequenterweise in Korea gefertigt wird um sich auch vom Image her von den USA Instrumenten zu unterscheiden.
Zunächst gab es nur Schraubhalsversionen, alle mit dem flachen NiteFly-Korpus, sowohl mit Schlagbrett (3SC) als auch ohne (2HU) und mit oder ohne Vibrato.
Erst 2001 präsentierte Parker mit der PM-Serie das erste neue Parkerdesign seit 11 Jahren.
Die nun vorliegende PM-20 stellt, preislich und von der Ausstattung her, die mittlere Version dar, darunter rangiert die einfacher gehaltene PM-10, darüber die etwas aufwändigere PM-20 "pro" (schwarze Hardware, Bindings, Duncans..).
Formal orientiert sich die PM-20 ganz frei interpretiert an der Les Paul(man könnte sagen, sie sieht aus, als hätte man eine MusicMan Axis mit einer Parker Fly gekreuzt), geleimter Mahagonihals, gewölbter Singlecut Mahagonikorpus mit traumhafter Riegelahorn (Furnier-)decke, zwei Humbucker, TOM-Bridge.
Anders als bei der "Paula" haben wir aber nur je ein Master-Volumen und-Ton-Poti (beide Push/Pull fürs Coil-Splitting) und die Saiten werden durch den Korpus zur Brücke geführt.
Den grössten Unterschied gibts aber am Hals, zum einen durch die lange Fender-Mensur über dem Ebenholzgriffbrett, zum anderen durch die typische 6-L Parkerkopfplatte im Hockeyschläger-Design, hier mit hochwertigen Grover "18-1" Mechaniken.
Zur weiteren Ausstattung gehören noch zwei hauseigene Parker-Stinger AlNiCo HUmbucker, ein sauber gearbeiteter Graphit-Sattel und natürlich das passende Werkzeug nebst Kabel, alles zusammen in einem schicken, robusten Gig-Bag..toll.
Nimmt man die PM-20 zum ersten mal in die Hand, fallen sofort zwei Sachen auf:1) das angenehm geringe Gewicht von genau 3kg und 2) der auf der Rückseite unglaublich ergonomisch gearbeitete Cutaway, vom Halsansatz bis zum Steg-PU zieht sich auf der Rückseite eine V-Förmige Fräsung die einen Hals-Korpus-Übergang wie bei einem durchgehenden Hals ermöglicht..geil!!!
Weiterhn gibt sich die PM-20 parkertypisch in Sachen Ergonomie, die tiefen Lagen sind tatsächlich näher am Gitarristen als zum Beispiel bei einer PRS (stellt man die PM neben eine PRS so liegt der Sattel der PM auf Höhe des ersten Bundes der PRS...und das bei einer längeren Mensur), in Verbindung mit dem kleinen leichten Korpus und dem angenehm geformten Hals ergibt sich eine Bespielbarkeit, die Ihresgleichen sucht, selbst meine PRS wirkt dagegen wie ein grobschlächtiger Vorkriegshobel, von Strat oder Paula wollen wir noch gar nicht reden!!!
Trocken angespielt, ist man erstmal erstaunt, wie brilliant die Parker klingt, lange Mensur und Ebenholzgriffbrett leisten hier klasse Arbeit, meine PRS-SingleCut klingt dagegen wie unter einer Wolldecke; auch das Sustain ist wirklich überdurchschnittlich gut, sogar Noten oberhalb vom 12.Bund klingen noch schön lange aus und enden nicht -wie so oft- im stumpfen "plöng". Toll, wie die ganze Konstruktion intensiv viebriert.
Durch die durchdachte Formgebung spielt sich die PM-20 sowohl im Sitzen als auch im Stehen ultra bequem, immer mit leichter Neigung zum Gitarristen hin.
Am Amp clean gespielt stellt man fest, dass AlNiCo nicht gleich vintage ist, die PU´s hauen ordentlich nöckige Mitten raus, die auch durchs Splitten nicht ganz verschwinden...klingt dann eher wie ein P90...auch nicht übel.
Der Steg PU ist clean eher was für durchdringende Spezialsounds, der Hals-PU kommt da schon eher gut, mit leicht jazzigem Ton, die Zwischenstellung hält einen schönen Rhythmussound bereit.
Mit steigendem Gain treten die fetten Mitten immer weiter nach vorne um im High-Gain Bereich dann das totale Mittenbrett zu bringen.
Die Sounds kommen zwar alle schön aufgelöst, aber mit einer gewissen komprimierten "EMG81"-Note, die dem tollen, unverstärkten Sound nicht ganz gerecht wird.
Ist Geschmacksache und klingt auch nicht schlecht, ich mag es gerne aber etwas eleganter.
Positiv zu vermerken ist aber, dass die Potis sehr leicht und gleichmässig agieren, das Selbe gilt für den Schalter, lediglich beim Coilsplitting ist ein leises Rascheln zu vernehmen.
In Sachen Bespielarkeit ist hier alles im dunkelgrünen Bereich..everything is possible...vom fetten Jazz bis zum todesgeilen Fräserlicks macht die Parker alles mit!!!
Mein Fazit:
Eine tolle Gitarre abseits des Mainstream, in meinen Augen die zur Zeit schönste moderne Interpretation des Les Paul-Themas.
Unschlagbar in Sachen Handhabung und Bespielbarkeit, sehr gute Verarbeitung, ein gradioser "trockener" Sound, der mancher Gitarre für das Doppelte zur Ehre gereicht, recht spezielle aber variable elektrische Sounds die sich durch andere PU´s sicher auch jedem Geschmack anpassen lassen (die akustische Basis ist auf jeden Fall da), tolles Zubehör (Kabel, Werkzeug, Gig-Bag) und das Beste für mich: diese Gitarre ist klassenlos; du kannst Dich mit der Parker genausogut breitbeinig auf eine Metal-Bühne stellen wie auch im Jazzkeller sitzend Standards zum Besten geben...und: der Preis ist heiss-----> 825,-Euros
Kleine Anekdote noch zum Schluss: auf der Kopfplatte findet sich die eigentliche Bezeichnung für diese Parker, nämlich "Hornet"...PM-20 bezeichnet lediglich die Version...allerdings taucht der Name "Hornet" auf der Parker-Webseite mit keinem Wort auf..sehr seltsam das....
Infos:
www.parkerguitars.com
Dort gibt es auch einen exzellenten Online-Support bei Problemen!!!!
+Optik
+Ergonomie
+Bespielbarkeit
+Ausstattung
+Flexibilität
+Verarbeitung
+Sound (m.Einschr. siehe Text)
+Online-Support
+Preis/Leistung
-PU´s (m.Einschr. siehe Text)
-Trans Black nur in limitierter Auflage erhältlich
Nachtrag:
Parker haben offensichtlich die PM-10 aus dem Programm genommen und durch die PM-24V mit USA-Vibrato, Piezo und (hässlicher) 3L/3R Kopfplatte ersetzt.....