Vor gar nicht allzulanger Zeit habe ich mir mein erstes analoges "Profi-Mischpult" in Form eines gebrauchten, aber in sehr guten Zustand erhaltenen Yamaha GA 32/12 zugelegt.
Mittlerweile habe ich die ersten 2 Live-Acts (Beide Open-Air) mit dem Pult erfolgreich hinter mich gebracht und wollte daher meine Erfahrungen hier gerne mal mit Euch teilen.
Kurz zu den technischen Daten des Pultes:
28 Mono-Kanäle mit (zuschaltbaren) Semi-parametrischen 4 Band EQ
2 Stereo Kanäle mit (zuschaltbaren) 4 Band EQ
Phantom-Speisung in 4-er Gruppen schaltbar
10 Aux-Busse
2x4 Matrix
4 der 10 Aux-Busse lassen sich flexibel zu Mono-Gruppen zusammenfassen
und stehen dann der 4x2 Matrix zur Verfügung.
Dem gerouteten Gruppen-Aux steht übrigens nocheinmal ein 3-Band EQ pro Kanal vor.
Stereo-Out Master und ein Stereo Out 2 (für eventuelle Ansteuerung eines Subs o.ä.)
-24dB Taster pro Kanal
Phase-Revers Taster bei allen Mono-Kanälen
HPF-Taster pro Kanal
Zuerst zum Handling:
Die Konsole ist ca. 1m30 lang, 80cm tief und hat in etwa 40 kg (ohne Case). D.h. Alleine auf weiter Flur ist man da ziemlich schnell überfordert. Glücklicherweise war bei meinem das Case mit Räder im Kauf inkludiert, trotzdem braucht es auf jeden Fall 2 Leute um das Pult zu bewegen und außerdem muss ein ziemlich stabiler Tisch zum aufstellen her.
Die Master-Sektion befindet sich in der Mitte des Pultes, daher ist es relativ egal, auf welcher Seite das Side-Rack aufgebaut wird. Patch-Kabel sollten mind. 2 m lang sein (siehe Pult-Länge).
Die Taster des Pultes sind nicht beleuchtet und auch sonst nicht mit Signal-LED´s ausgerüstet. Leider gibt es auch keinen Anschluß für eine Schwanenhals-Lampe o.ä., daher muss man im Vorfeld auch die Aufstellung geeigneter Beleuchtungskörper am Regieplatz berücksichtigen.
Aufbau und Performance der Kanalzüge:
Alle Kanäle sind mit 100mm Fader ausgestattet und der Abstand zwischen den Fadern ist sehr großzügig. Die Mono-Kanäle besitzen einen 4-Band EQ (HIGH/HI-MID/LO-MID/LOW) wobei HI-MID und LO-MID durchstimmbar (parametrisch) sind. HIGH & LOW sind typischerweise Kuhschwanz-Filter. HI-MID und LO-MID haben den Charakter Glockenfilter.
Die EQ-Regelung greift gut, allerdings nicht "brachial", wie mir im Vorfeld mitgeteilt wurde.
Generell klingt die Konsole sehr warm und ausgelichen. Ein sehr nützliches Tool ist der EQ-Taster, um den Kanal einmal mit und einmal ohne EQ abzuhören. Die beiden Stereo Kanäle besitzen ebenfalls den 4-band EQ, allerdings unparametrisch. Sehr okay ist übrigens auch das Eigenklangverhalten des Mischpultes. D.h. der Klang ändert sich zwischen neutraler EQ-Stellung und ausgeschalteten EQ nicht. (ich kenne das z.B. von meinem Behringer Proberaum-Mischer "etwas" anders, da dieser in der neutralen EQ-Stellung trotzdem Bassanteile verstärkt).
Zu den Phase-Rev und -24dB Tastern kann ich nur sagen, dass es mich wundert, dass ich bis jetzt ohne ausgekommen bin *g*. Das sind echte Gimmicks, die das Leben eines Technikers doch sehr erleichtern.
Zu den Aux-Bussen:
10 Busse stehen pro Kanal zur Verfügung. Aux 1 bis 4 lassen sich jeweils per Knopfdruck zu einer Subgruppe (Mono) umfunktionieren. Die Schalter zum hinzufügen eines Kanals zur Subgruppe befinden sich neben dem zuständigen Poti, was etwas unübersichtlich ist. Dies war die größte Umstellung für mich, da ich es gewohnt war AUX 1 und 2 mit den "empfindlichsten" Monitorboxen zu belegen um dort auch schnell hingreifen zu können.
Nun hatte ich aber AUX 1 für die Stimmen-Gruppe und AUX 2 für die Schlagzeug Gruppe belegt. Um trotzdem nötigenfalls "schnell" den empfindlichsten Monitor-Regler zu bekommen, habe ich dann einfach spiegelbildlich gedacht und mein Monitoring von AUX 10 (erster Poti von unten) nach oben aufgebaut.
Die AUX-Busse sind post-EQ aufgebaut und jeweils in 2-er Gruppen pre/post schaltbar.
Die AUX-Master sind als 100mm Fader in der Master-Sektion zu finden, schaltet man AUX 1 - 4 auf Gruppenfunktion um, kann man diese per 3-Band EQ und Sub-Inserts weiter bearbeiten. In dem Fall steht das Gruppen-Signal auch der 2x4 Matrix zur Verfügung.
Alles in allen bin ich sehr zufrieden mit dem Kauf, wobei ich auch dazu sagen muss, dass es ein wirkliches Schnäppchen war. Klar ist dieses Pult gegen die, die ich gewohnt war (Frontier, Behringer, Yamaha MG) eine wirkliche Umstellung, aber man gewöhnt sich doch sehr schnell daran.
Naja, über die fehlende Beleuchtung der Taster könnte man diskutieren, aber wirklich abgegangen ist sie mir nicht (man muss halt 2x schauen). Einzig die eigenartig angebrachten Sub-Gruppen Taster zwischen den Aux-Potis sind wirklich unübersichtlich, da muss man schon mal 4 bis 5x schauen obs passt *g*
Meiner Meinung nach ein Pult zum Weiterempfehlen für den semiprofessionellen oder professionellen Einsatz.
lg Chrisu
