Der Einsatz eines Impedanzwandlers in der Elektrogitarre, Teil 3
4. Das Anforderungsprofil des Impedanzwandlers
4.1 Spannungsversorgung
Leider benötigt unser Impedanzwandler eine Spannungsversorgung. Eine wichtige Angabe ist dabei die minimalen Betriebsspannung bei der die Schaltung noch einwandfrei ihre Funktion erfüllen muß. In der Elektrogitarre sowie in den dazu gehörenden Effektgeräten wird in der Regel eine 9V-Batterie vom Typ 6LR61 eingesetzt. In dieser Bauform gibt es auch entsprechende Akkus.
Beim Einsatz dieser Akkus muß man jedoch Vorsicht walten lassen, denn die Nennspannung einer Nickel-Cadmium- oder Nickel-Metallhydrid-Zelle ist mit 1,2V deutlich geringer, als die einer Zink-Kohle- und Alkaline-Batterie, welche eine Spannung von 1,5V liefert. Um eine Spannung von 9V zu erreichen werden in der 9-Volt-Batterie sechs Zellen in Reihe geschaltet. Der gleiche Ansatz führt bei einem Akku dann zu einer Nennspannung von nur 7,2V, was deutlich zu gering ist. Aus diesem Grunde enthalten die entsprechenden Akkus heute in der Regel sieben Zellen, was zu einer Spannung von 8,4V führt. Aber auch das ist für viele Anwendungen noch zu gering und so gibt es seit einiger Zeit Akkus mit acht Zellen, die dann mit einer Spannung von 9,6V aufwarten.
Dieses Verfahren hat jedoch auch seinen Preis, denn um die notwendige Anzahl von Zellen in dem genormten Gehäuse unterbringen zu können, muß die Kapazität der einzelnen Zellen verringert werden. Bei Batterien kann man typisch von einer gesamten Kapazität von 500mAh bis 700mAh ausgehen. Moderne Akkus mit sieben Zellen liegen im Bereich bis 250mAh und die 9,6V-Typen liegen mit rund 200mAh leicht darunter.
Neben der Nennspannung von Akku oder Batterie, ist auch die sogenannte Entladeschlußspannung von Interesse. Als "Hausnummer" kann für beide Energiequellen in etwa von einem Volt pro Zelle ausgegangen werden.
Setzen wir voraus, daß nur Batterien oder moderne Acht-Zellen-Akkus verwendet werden, so muß man von einer minimalen Betriebsspannung von 8V ausgehen. Möchte man den Sieben-Zellern auch noch eine Chance geben, dann sind 7V angesagt. In diesem Fall kann es aber schon zu Problemen mit dem gewünschten Aussteuerbereich kommen.
Nach oben hin wird die Spannungsversorgung in der Regel nur von den Grenzwerten der verwendeten Bauelemente bestimmt. Bei Operationsverstärkern sind das in der Regel 30V. In der Praxis wird man in der Gitarre aber selten mehr als zwei 9V-Batterien finden, sodas inklusive Toleranz eine maximale Spannungsfestigkeit von 20V ausreichend ist. Im Hinblick auf den maximalen Aussteuerbereich genügt allerdings schon eine Betriebsspannung von 9V.
4.2 Der Aussteuerbereich
Unser Impedanzwandler (und allgemeine die meisten Verstärker) soll eine Wechselspannung übertragen. Das heißt, die Spannung wird im Zeitverlauf mal positiv und mal negativ (Bild 4a). Die meisten Halbleiter, also auch Transistoren, lassen den Strom jedoch nur in eine Richtung fließen. Dadurch wird eine Halbwelle unseres Nutzsignals quasi abgeschnitten. Das Signal wird verzerrt (Bild 4b) und das will keiner haben! Das Signal darf also niemals kleiner als 0 werden!
Bild 4: Arbeitspunkt und Aussteuerung
Abhilfe schafft ein kleiner Trick: Man addiert zum Eingangssignal einfach eine Gleichspannung (Bild 4c). Dadurch überlagern sich beide Spannungen und das Resultat ist eine pulsierende Gleichspannung, die vom Transistor verarbeitet werden kann (Bild 4d).
Im Beispiel hat das Eingangssignal eine Amplitude von 1, das heißt, die Spannung schwankt um ±1. Addiert man eine Gleichspannung von 1, so ist die Schwankung zwar immer noch ±1, aber absolut betrachtet schwankt die Spannung jetzt zwischen 2 und 0.
Man erkennt: Solange die Eingangsamplitude kleiner ist als die Gleichspannung, sind keine Verzerrungen zu befürchten! Damit legt die Gleichspannung also fest, wie groß die Amplitude des Signals maximal werden darf!
Aber, als ob das noch nicht genug des Ärgers wäre, gibt es, neben dieser "Null-Grenze", noch eine weitere Limitierung, die im Bild nicht eingezeichnet wurde: Die zur Verfügung stehende Betriebsspannung!
In unserem Beispiel würde theoretisch eine Betriebsspannung von 3 ausreichen. Die Praxis sieht jedoch etwas anders aus, denn die Transistoren benötigen eine bestimmte Spannung für ihren eigenen Bedarf. Real muß die Betriebsspannung also etwas größer sein. Aber bleiben wir bei der schönen Theorie.
Im Allgemeinen definiert man den Arbeitspunkt bei der halben Betriebsspannung, damit in beide Richtungen gleich weit ausgesteuert werden kann. Damit ist auch klar, wie groß die Signalamplitude maximal sein kann: Sie darf den Betrag der halben Betriebsspannung nicht überschreiten!
Wer in der Spezifikation seines Geräts etwas anderes schreibt, der erzählt entweder nicht die Wahrheit oder er hat noch ein Ass im Ärmel, wie eine interne Vergrößerung der Betriebsspannung (Stichwort: Ladungspumpe). So eine Schaltung ist jedoch aufwendig und teuer und wird daher aus diesem und anderen Gründen selten eingesetzt.
Die zur Überlagerung notwendige Gleichspannung wird in der Praxis durch den sogenannten Arbeitspunkt festgelegt. Hier gibt es eine Ruhespannung U0 nebst dazugehörenden Ruhestrom I0, die ohne Aussteuerung zu messen sind. Beide Größen müssen so dimensioniert sein, daß bei der gewünschten maximalen Aussteuerung keine Begrenzungen entstehen! Dies gilt wohlgemerkt für Spannung
und Strom!
Bei Verstärkern muß man zwischen einem Aussteuerbereich am Eingang und am Ausgang unterscheiden, die nicht zwingend gleich sind. Insbesondere bei einfachen diskreten Schaltungen, wie dem bipolaren Spannungsfolger, können sie auch voneinander abhängig sein. In der Folge ergeben sich dort zwei voneinander abhängige Arbeitspunkte. Dazu ein kurzes Beispiel:
Am Ausgang des Spannungsfolgers, dem Emitter, wird man eine Ruhespannung mit dem Betrag der halben Betriebsspannung UBat festlegen. Also UE0 = 0,5 * UBat.
Da das Potential an der Basis UB um den Betrag der Basis-Emitter-Spannung UBE größer ist, wird UB0 = UBE + UE0 = UBE + 0,5 * UBat.
Damit wird der mögliche Aussteuerbereich an der Basis aber unsymmetrisch. Er beträgt nach "Oben": UBat - UB0 = 0,5 * UBat - UBE
und nach "Unten": UBE + UE0 = UBE + 0,5 * UBat.
Nach "Oben" ist also etwas weniger Platz! Damit ist der Eingangsaussteuerbereich von 0,5 * UBat - UBE die limitierende Größe. Steuert man mit der halben Betriebsspannung aus, dann wird die Schaltung am Eingang übersteuert!
Der Aussteuerbereich an Ein- und Ausgang sind also wichtige Kenngrößen für einen Verstärker. Eine angenommene Verstärkung von 10 klingt zunächst wunderbar. Auch ein theoretischer Aussteuerbereich von ±1Vs am Eingang ist prima. Am Ausgang ist die Amplitude dann 10 * ±1Vs = ±10Vs. Der gesamte "Hub" beträgt also 20Vss. Ob man das bei einer Versorgungsspannung von 9V wohl schafft?
Wer mitgedacht hat, kann sich die Antwort leicht selber geben...
4.3 Die Treiberleistung
Kommen wir nun zu einer weiteren sehr wichtigen Eigenschaft unseres Impedanzwandlers, die gerne vernachlässigt wird: Seine Treiberleistung. Was ist darunter zu verstehen?
Die Elektrogitarre liefert über ihre Tonabnehmer eine Wechselspannung mit einer bestimmten Amplitude. Da der Impedanzwandler eine Verstärkung von (annähernd) 1 besitzt, entsteht diese Spannung natürlich auch an seinem Ausgang. Kapazitive Last und der Eingangswiderstand des Verstärkers bilden zusammen eine Impedanz, einen frequenzabhängigen Widerstand. Sein Betrag ist umso geringer, je größer die Frequenz ist.
Im Audiobereich wird in der Regel von einem maximalen Frequenzbereich bis 20kHz ausgegangen. Für die Elektrogitarre reichen jedoch meist schon 10kHz aus. Man muß dann also fordern, daß der Impedanzwandler in der Lage ist, bis zu dieser Frequenz einen der Spannung adäquaten Strom durch die angeschlossene Last zu treiben. Gelingt das nicht, sind Stromverzerrungen die unabdingbare Folge!
Für die die kapazitive Last legen wir fest, daß sie 1nF nicht überschreitet, was einer maximalen Kabellänge von 8 bis 12 Metern entspricht. Diese Länge sollte für die meisten Anwendungsfälle mehr als ausreichend sein.
Zur Bestimmung der notwendigen Treiberleistung geht man am besten vom schlechtesten Fall aus. Wir nehmen einen Eingangswiderstand von 19kOhm an (zu finden zum Beispiel im "Screaming Bird"), einen Lautstärkeeinsteller von 25kOhm, eine Frequenz von bis zu 20kHz sowie eine Ausgangsamplitude von 1V, was unter Umständen schon zu klein sein kann. Zusammen mit der festgelegten kapazitiven Last von 1nF ergibt sich dann ein Spitzenwechselstrom von gut 157µA, den die Schaltung liefern können muß!
Die zu fordernde Spezifikation lautet also:
Maximale Ausgangsspannung: 1Vs an 14kOhm und 1nF bei 20kHz
Kleinere Spannungen, größere Widerstände sowie kleiner Kapazitäten sind kein Problem. Alles andere ist außerhalb der Spezifikation und sorgt für Verzerrungen!
Messungen an einem Fender Noiseless haben unter extremen Bedingungen Spannungen bis zu einem Spitzenwert von 2,5V ergeben. Man kann davon ausgehen, daß High-Gain-Humbucker diesen Wert unter gleichen Bedingungen noch einmal überschreiten. Wer also ganz sicher sein will, der rechnet mit 3V. Dann ist sogar ein Wechselstrom von 470µA zur verzerrungsfreien Übertragung notwendig!
Roland gibt für das "GT-6" einen "Nominal Output Level" von 0dBu an, was einer effektiven Wechselspannung von 775mV und einem Spitzenwert von 1V entspricht. Geht man davon aus, daß die betreffenden Entwickler nicht wissentlich Verzerrungen in Kauf nehmen, so scheint man mit diesem Spannungswert im Normalfall auf der sicheren Seite zu sein.
Um alle möglicherweise auftretenden ohmschen Belastungen erfolgreich treiben zu können, sollte man einen minimalen Lastwiderstand von 10kOhm fordern, was auch gängige Praxis bei den meisten Effektgeräten ist. Damit hätten wir die Anforderungen an die Treiberfähigkeit unseres Impedanzwandlers zusammen und wir können jetzt das gesamte Anforderungsprofil festlegen.
4.4 Das Anforderungsprofil
Ein Impedanzwandler, der in der Elektrogitarre unter allen Bedingungen erfolgreich eingesetzt werden soll, muß folgende Anforderungen erfüllen:
Tabelle 1: Anforderungsprofil des Impedanzwandlers
In der Schaltungspraxis wird man diesen teilweise doch sehr weiten Bereich nicht immer abdecken können, ohne Kompromisse einzugehen. Wenn es also um eine optimierte Lösung geht, wird man die Anforderungen in geeigneter Weise einschränken müssen.
Ein wichtiges Ziel ist zum Beispiel die Stromaufnahme, denn von ihr hängt unmittelbar die mögliche Einsatzdauer ab. Bei einer Stromaufnahme von 250µA und einer gängigen Batterie kann man in etwa von 2000 Stunden ausgehen. Bei einem Akku mit 200mAh sind es dann nur noch 800 Stunden, was aber immerhin noch 33 Tage Dauerbetrieb bedeutet.
5. Nebensächliches
5.1 Bypass oder bye Bypass?
Viele Gitarristen, die eine aktive Schaltung in ihr Instrument einbauen, sehen einen sogenannten "Bypass" vor. Verwendet man dazu einen zweipoligen Umschalter, dann kann die betreffende Baugruppe vollständig aus dem Signalweg entfernt werden. Dieses Prinzip wird als "True-Bypass" bezeichnet und wird gerade in Effektgeräten als das Nonplultra angesehen.
Bild 5: Einfacher Bypass (links) und True-Bypass (rechts)
Bei einem Verstärker oder Effektgerät macht das vieleicht Sinn, denn dann kann man mit Hilfe des Schalters zwischen zwei verschiedenen Betriebsarten hin- und herschalten. Und wenn die "böse" Batterie in der Gitarre einmal unverhofft erschöpft sein sollte (wie kann sie nur?), kann man ja passiv weiterspielen.
Auch das Stromsparen in Spielpausen ist eine häufige Begründung für den dann einfachen Bypass. Der freiwerdende Schalter wird dabei zum Einschalten der Betriebsspannung genutzt. Manchmal geht diese ehrbare Absicht aber auch nach hinten los! Mehr als ein Gitarrist hat sein Instrument eingeschaltet in den Koffer gelegt und sich dann bei der nächsten Probe gewundert...
Nebenbei bemerkt, erfolgt das Einschalten häufig auch nicht geräuschlos, da die Schaltung ja erst einmal "einlaufen" muß. Ein wenig Zischeln und Blubbern ist da schon drinne! In derben Fällen gibt es auch ein lautes und vernehmliches "Knack", für das sich der Tontechniker nach dem Auftritt mit Sicherheit "erfreut" bedanken wird.
Für den Impedanzwandler macht ein solcher Schalter wenig Sinn, denn er bietet lediglich die Wahl zwischen Gut und Schlecht! Im passiven Betrieb addiert sich unter Umständen die Lastkapazität CL zur Kabelkapazität CK. Sind beide gleich groß, dann verdoppelt man auf diese Weise die gesamte kapazitive Last des Tonabnehmers. In der Folge liegt die Resonanzfrequenz dann bis zu 40% tiefer, als es im normalen passiven Betrieb der Fall wäre! Aus "Mittig" wird dann schnell "Dumpf"! Darüber hinaus wird die Anzahl der benötigten Bauelemente unötig vergrößert, denn es werden zusätzlich einige Pulldown-Widerstände zur Verhinderung eines Schaltknacks benötigt.
Statt des Schalters benutzt man lieber den bekannten
Trick mit der Stereobuchse zum Einschalten der Betriebsspannung. Kabel drinne, Strom an! So einfach ist das und erspart ein zusätzliches Loch in der Gitarre!
Zum Thema Bypass kann man in diesem Fall also nur sagen: "Bye Bypass!"
5.2 Mach doch mal die Lampe an!
Ein Tritt und das Effektgerät ist an und tut der Welt seine Aktivität durch eine kleine Statusleuchte kund. Wenn sich etwas verändert, macht das durchaus Sinn, aber beim Impedanzwandler verändert sich ja nichts. Er ist einfach nur aktiv! Konsequenterweise müßte eine solche Anzeige also immer leuchten! Der Informationsgehalt ist allerdings gering, denn wenn der Impedanzwandler nicht arbeiten würde, wären Verzerrungen die Folge oder man würde gar nichts hören. Wozu also?
Ach ja! Da wäre dann noch das Argument: "Ich bin cool, ich hab 'ne blaue Leuchte in meiner Gitarre!"
Nun gut, wer es unbedingt braucht...
... sollte jedoch nicht vergessen, daß auch eine Leuchtdiode Strom zum Betrieb benötigt. Die großen LEDs mit 5mm Durchmesser erwarten typisch 10mA. Die kleinen 3mm Low-Current-Typen sind da mit 2mA etwas genügsamer.
Ein Impedanzwandler, der die in Tabelle 1 aufgestellten Anforderungen erfüllt, erfordert im Durchschnitt einen Versorgungsstrom von 0,5mA. Je nachdem, welcher LED-Typ verwendet wird, ist die Stromaufnahme für die eigentliche Funktion also um den Faktor 4 bis 20 geringer, als der LED-Strom. Sehen wir uns dazu die verschiedenen möglichen Laufzeiten bei einer Batterie mit einer Kapazität von 500mAh an:
Tabelle 2: Laufzeit des Impedanzwandlers mit Leuchtdioden
Wo wir gerade mal dabei sind, rechnen wir noch etwas weiter und gehen von einer täglichen Betriebszeit von 2 Stunden aus: Das wären dann also 730 Stunden im Jahr. Ohne LED reicht eine Batterie dann für 16,4 Monate. Mit der 3mm-LED reicht es dann für 3,3 Monate und wer es besonders groß braucht, muß schon nach 0,8 Monaten eine neue Batterie einlegen. Im Vergleich zur Sparversion werden dann 20 zusätzliche Batterien benötigt. Macht ja nichts! Bei einem Batteriepreis von 1,60 € sind das ja nur 32 Euronen oder 6 bis 7 Sätze Saiten!
Na, geht uns da ein Lichtlein auf?
Weiter geht es demnächst. Stay tuned
Ulf
(Der vollständige und stets aktuelle Artikel ist ebenfalls in der
Knowledge Database der Guitar-Letters zu finden.)